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“[...] Für Kathrin Trommler, 21, die daheim in Marburg Europäische Ethnologie studiert und jetzt in Prag Politik und Soziologie belegt hat, ist die Speisenfrage nicht so wichtig – sie zehrt vor allem von der Kultur. “Ich kann auch den ganzen Tag nur durch die Stadt laufen”, sagt sie, “es gibt so viel zu sehen, Galerien, Konzerte und das Nationaltheater.” Alles für deutsche Verhältnisse spottbillig, so dass es sich auch Studenten gut leisten können: “In die Staatsoper kommt man für 100 Kronen!” Das sind noch nicht einmal sechs Mark.

Kaum mehr kostet auch eine Eintrittskarte, um Weltmeister Tschechien Eishockey spielen zu sehen, was Jurastudent Patrick Mickler, 24, sehr gefällt. Er wollte nach Prag, weil ihn die tschechische Geschichte interessiert, der Transformationsprozess gut zehn Jahre nach dem Ende des Kommunismus. Und nun auch noch dies: ein Haufen interessanter Sportevents und reichlich nette Leute. Und eigentlich ist immer Party.

Das kommt, weil Mickler in einem jener kommunikativen Studentenheime lebt, denen wegen ihres Wohnstandards ein zu Recht höchst zweifelhafter Ruf vorauseilt: Meist sind es realsozialistische Plattenbauten am Stadtrand, deren Tore ein mehr oder weniger grimmiger Drache in Pförtnergestalt bewacht. Mancherorts herrschen strenge Sitten: Auswärtige Besucher müssen beim Betreten des Gebäudes ihre Ausweise abgeben und Schlag zehn Uhr abends das Haus verlassen. Die Studenten wohnen zu zweit in kleinen Kammern, die von endlosen, engen Gängen abgehen. Privatsphäre gibt es kaum: Alle teilen sich Bad, Küche und Toiletten. Dafür ist die Unterkunft preiswert, Patrick Mickler zahlt rund 80 Mark monatlich.

Zuerst habe er freilich schwer schlucken müssen, sagt Mickler, als er eines Samstags vor seinem kargen Zimmer stand, in dem sich schon sein italienischer Mitbewohner im schmalen Rahmen des Möglichen breit gemacht hatte. “Ich dachte, das wäre nur für den Übergang”, sagt Mickler. War es aber nicht. “Das ist eben so ein Abenteuer”, beschloss er dann für sich, “da muss ich durch.”

Inzwischen will er nicht mehr klagen: “Jetzt ist es super cool, wir sind eine echt gute Truppe.” Studenten aus zehn Nationen haben sich im Wohnheim bestens arrangiert. Abends werden Stühle vor die Zimmertüren gezogen, der Flur mit Musik beschallt und intensiv Völkerfreundschaft gefeiert. Die tschechischen Studenten schleppen ihre ausländischen Kommilitonen gern mit in eine der vielen Discos oder in kaum bekannte Clubs: “Neulich war ich auf dem Konzert einer Band aus Moldawien”, sagt Mickler, “allein hätte ich davon nichts mitbekommen.”

Um nicht nur Prag bei Nacht kennen zu lernen, organisieren die Studenten gemeinsam Ausflüge aufs Land. Neulich ging es sogar für ein paar Tage in die Hohe Tatra in der benachbarten Slowakei. Politikstudent Lutz Timmen, 22, war jüngst über das Wochenende mit Freunden zur “Kurzkur” in Karlsbad: “Voll krass da, teurer als Prag und überall nur Russen.” Timmen lebt in einer der wenigen Wohngemeinschaften Prags. Viel Platz hat er da auch nicht: fünf Studenten in zweieinhalb Zimmern, jeder zahlt etwa 200 Mark.
[...]“. Quelle: Link
UniSPIEGEL 6/2001

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Ein Kommentar zu “PILS UND PARTY anno 2001”

  1. am 28. Mai 2008 um 18:59 andosch

    höhö, pepe pepe superstar und mittlerweile doch schon 30 ;-) aber nicht mehr lange!

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